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Cover SchwabenfluchtWir freuen uns Euch den Roman "Schwabenflucht: Ein kriminelles Gedankenspiel" von Jochen Bender als Fortsetzungsroman vorstellen zu dürfen.

Jede Woche könnt Ihr ein Kapitel mehr vom Roman lesen. Zu lesen sind immer nur die letzten 20 Seitenl. Das letzte Kapitel könnt Ihr dann live in einer Lesung (Dreikönigskeller am 17.01.2020) zusammen mit Jochen Bender nach einem leckerem Essen genießen.

Neugierige können das Buch hier bei Amazon natürlich auch bestellen

Eine gute Gesellschaft ist keine Gemeinschaft
Thomas Schmid „Die Welt“ im Oktober 2016

Die EU ist implodiert, in Deutschland herrscht Bürgerkrieg. Dr. Jens Baitinger weigerte sich bis zuletzt, die Zeichen des gesellschaftlichen Zerfalls wahrzunehmen. Während seiner Tochter Pauline im letzten Augenblick die Flucht nach Australien gelingt, sitzt er mit dem Rest seiner Familie in Stuttgart fest. Mit den Nachbarn graben sie sich auf den Fildern ein, während ringsum blutige Kämpfe toben.
Im Remstal gelingt es Landrat Balmer, eine demokratische Gesellschaft aufrecht zu erhalten, tatkräftig unterstützt durch Sascha, einem jungen Mann mit einem düsteren Geheimnis. Familie Baitinger wagt schließlich die Flucht aus Schwaben und strandet als mittellose Flüchtlinge in Arabien.

25
Spätestens, als eine Diskussion einsetzte, jedes wievielte
Gipfelkreuz als Schutz gegen Diskriminierung
durch Gipfelhalbmonde zu ersetzen sei, verflog unsere
Belustigung. Zudem erfuhren wir über die Medien,
dass schon seit einiger Zeit um die Gipfelkreuze ein
Kulturkampf tobte. Im Sommer 2016 waren in Bayern
drei Gipfelkreuze zerstört worden, eines davon am
zweitausendeinhundert Meter hohen Gipfel des Schafreiter.
Reinhold Messner, der gerne alles rund um die
Berge kommentiert, äußerte daraufhin „Gipfel sollten
leer sein und nicht für irgendeine Religion missbraucht
werden“. Hätte der Guru uns dies doch nur
rechtzeitig persönlich gesagt! Vielleicht hätten wir auf
ihn gehört. So führten wir viel zu spät eine halbherzige
Diskussion, ob es die Situation entschärfen würde,
wenn wir uns zu erkennen geben und das Ganze als
Dummer-Jungen-Streich darstellten. Mitten in unsere
Diskussion platzte die Meldung von den zwei Toten in
Dresden.
„Doch!“, entgegnete ich in Ameers winzigem Zimmer.
„Wir hätten wissen müssen, dass die gesellschaftliche
Atmosphäre bereits so vergiftet war, dass unser Streich
fatale Folgen haben könnte.“
„Dass ein linker Spinner zwei rechte Spinner erschießen
würde, konnte keiner von uns ahnen!“
„Stimmt, aber dass die Sache nicht im friedlichen Allgäu
verbleiben, sondern bundesweit zu giftigen Diskussionen
führen würde, hätte uns klar sein müssen.
Genauso, dass man die Sache deinen Glaubensbrüdern
anhängen würde.“
Es belastete mich schwer, Mitverantwortung am Tod
zweier Menschen zu tragen. Der Vorfall lag gut zwei
Wochen zurück. Gefühlt hatte es sich bei den Morden
in Dresden um den berühmten Tropfen gehandelt, der
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das Fass zum Überlaufen brachte. Die Schwelle zur
Anwendung tödlicher Gewalt war überschritten worden,
was sich nicht rückgängig machen ließ, zumal die
brutale Antwort von rechts bald erfolgte. Vorige Woche
waren zwei bekannte Linksautonome aus Leipzig
vor ihrer Stammkneipe erschossen worden. Vermutlich
war ihnen ihre Teilnahme bei den tödlichen Krawallen
in Dresden zum Verhängnis geworden. Das uralte, archaische
Prinzip der Blutrache war in unsere moderne
Gesellschaft zurückgekehrt. Gott sei Dank waren wir
hier in Deutschland. Polizei und Justiz würden dies
wieder stoppen.
„Die Zeiten haben sich geändert“, meinte Ameer.
Ich sah ihn irritiert an.
„Was meinst du damit“
Er starrte nur düster vor sich hin. Also fuhr ich fort:
„Heißt das, du willst zurück nach Syrien, in den
Krieg?“
„Dort ist kein Krieg mehr.“
„Ein Pedant bist du also auch geworden!“
Ich sah ihn an. Er schwieg. Behutsam setzte ich mich
neben ihn aufs Bett, tätschelte seine Schulter und fuhr
fort:
„Geh nicht dorthin. Der ganze Scheiß ist doch absolut
sinnlos. Es lohnt sich nicht, dafür sein Leben zu riskieren.
Du hast schon genug Schreckliches erlebt. Außerdem
bist du kein Krieger.“
Tränen strömten seine Wangen hinab. Ich blieb neben
ihm sitzen und wartete. Schließlich flüsterte er:
„Ich geh nicht dorthin. Der Krieg kommt her.“
„Wie bitte?“
Er nickte zur Bekräftigung.
„Du meinst hierher? Nach Deutschland?“
Erneutes Nicken.
„Das kann nicht sein!“
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In meinen Eingeweiden tat sich ein Loch auf. Jetzt redete
Ameer schon wie meine Schwester Pauline!
„Doch!“, flüsterte er. Tränen traten in seine Augen.
„Du bist ein guter Mensch. Ich bin glücklich, dir begegnet
zu sein und danke dir für das Geschenk deiner
Freundschaft. Aber nicht alle Deutschen sind wie du
und nicht alle Moslems sind wie ich. Zu viele glauben,
die Zeit der Gewalt sei gekommen.“
Ein Teil meines Verstandes weigerte sich, so zu denken.
Politiker und Medien versicherten gebetsmühlenartig
etwas anderes. Zögernd fragte ich Ameer:
„Willst du dich deren Kampf anschließen?“
„Nein!“
Empört sah er mich an.
„Wozu brauchst du dann die Pistole?“
„Ich bin nicht so naiv, wie diese Irren. Einige Brüder
denken, Europa sei genauso marode wie das Römische
Reich zu Beginn des fünften Jahrhunderts, als ein paar
zehntausend Krieger zur Plünderung ausreichten.
Blind vor Fanatismus glauben Sie, so leicht wie einst
die Vandalen Rom, könnten sie heute Brüssel, Berlin
und Paris niederbrennen.
Aber die täuschen sich. Als die Vandalen kamen, war
Rom bereits durch endlose Bürgerkriege geschwächt.
Blöd ist nur, wenn die erst einmal mit ihrem Irrsinn
anfangen, werden eure Rassisten auf mich und die übrigen,
vorwiegend friedlichen Muslime schießen. Dann
herrscht hier ebenfalls Bürgerkrieg.“
„Du spinnst! Doch nicht hier bei uns!“
Jetzt war es an mir, ihn empört anzusehen. Er hielt
meinem Blick mit Trauer in den Augen stand.
„Als sich die Menschen in Syrien gegen Assad erhoben,
dachte auch kaum einer, dass die Proteste in
einen Bürgerkrieg münden könnten. Wir glaubten an
die von euren Medien propagierte Facebook-Revoluti-
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on, in der kein Despot sich mehr halten könnte. Das
war eine westliche Lüge, die heute noch viele verbittert.
Mein Vater starb damals ohne die Möglichkeit zurückzuschießen.
So werde ich nicht sterben!“
*
„Hey Keller!“
Mit der Hand rüttelte ich unsanft an seiner Schulter.
„Wachen Sie auf!“
Mit einem Satz sprang er hoch, starrte mich verwirrt
an. Die Bank im Wartebereich, auf der er geschlafen
hatte, sah extrem unbequem aus.
„Warum schlafen Sie am helllichten Tag in meiner
Arztstation?“, bruddelte ich gut gelaunt, beinahe euphorisch,
vor mich hin. „Ich denke, Sie sind hier für die
Sicherheit verantwortlich. Da werden Sie doch was zu
tun haben!“
Der Kommissar warf einen kurzen Blick nach draußen.
Dann brummte er:
„Um diese Zeit ist niemand hier. Wie geht es
Hannah?“
„Den Umständen entsprechend gut!“ Ich strahlte.
„Wobei ich in Anbetracht der Hygiene-Bedingungen
der Operation keine Prognose wage, wie der weitere
Heilungsprozess verlaufen wird. Der Raum war alles
andere als steril. Übrigens handelte es sich tatsächlich
um eine Blinddarmentzündung. Ich konnte ihn problemlos
entfernen. Alles ist gut vernäht. Das Weitere
liegt nicht mehr in meiner Macht.“
„Danke.“ Er rieb sich die Augen. „Kann ich nach ihr sehen?“
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Durch ein Nicken erteilte ich ihm mein ärztliches Einverständnis.
Er war schon fast an mir vorbei, als ich
bemerkte:
„Ich habe Sie da eben aus einem Albtraum geweckt,
oder?“
Abrupt blieb er stehen.
„Sah man mir das an?“, fragte er leise.
Ich nickte. Er holte tief Luft. Möglichst neutral formulierte
ich:
„Sie schienen mit Dämonen zu kämpfen. Da beschloss
ich, Sie zu wecken.“
Ohne mich anzusehen, blieb er stehen.
„Wovon haben Sie geträumt?“
Keller holte tief Luft. Dann wandte er sich mir zu und
antwortete:
„Von meiner letzten Nacht als deutscher Polizist.“
Ich sah ihn an. Er gab sich taff. Trotzdem war ihm sein
Leid deutlich anzusehen. Mit Sicherheit war er seit
vielen Jahren kein deutscher Polizist mehr. Dessen ungeachtet
hatte er seinen Frieden noch nicht gefunden.
Mit dieser Art von Leiden war ich besser vertraut als
mit Blinddärmen. Also ermutigte ich ihn:
„Wollen Sie mir nicht davon erzählen?“
Als hätte ich von ihm verlangt die Hose runter zu lassen,
zuckte er zurück. Die Heftigkeit seiner Reaktion
überraschte mich. Andererseits war es in seinem Macho-
Weltbild vielleicht sogar schlimmer, einen Zipfel
seiner Seele zu zeigen, als seine Genitalien. Trotzdem
fuhr ich unbeirrt fort:
„Es wird nicht besser, wenn Sie alles in Ihrem Inneren
vergraben. Geben Sie sich einen Ruck! Fangen Sie an,
die Sache zu verarbeiten! Sie werden merken, Erzählen
hilft, den Schrecken wieder loszuwerden.“
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Der große, starke Kerl wandte sich von mir ab, blieb
aber immerhin stehen.
„Ein andermal vielleicht.“
Keller setzte sich wieder in Bewegung.
„Kann ich mich irgendwohin zurückziehen und ausruhen?“,
rief ich hinter ihm her.
Erneut blieb er stehen, wandte sich mir zu:
„Ich habe Ihnen das Appartement zweihundertzwölf
zugeteilt. Es liegt hier im Gebäude, damit Sie es nicht
weit in die Arztstation haben. Ihr Sohn erwartet Sie
dort.“
Mit einem knappen Nicken verabschiedete er sich.
Fast zärtlich drückte seine Pranke die Klinke der Tür
zum Nebenraum hinunter. Als der Hüne meiner dort
auf ihn wartenden Patientin ansichtig wurde, zauberte
seine Liebe ihm ein strahlendes Lächeln ins Gesicht.
Beschämt, in die Intimität der Liebenden eingedrungen
zu sein, wandte ich mich ab. Eilig schlug ich die
andere Richtung ein. Durch die Glastür mit dem Roten
Halbmond verließ ich die Arztstation. Draußen blieb
ich stehen. Gähnend streckte ich meine müden Glieder.
Von der Straße aus gesehen befand ich mich vor
dem ersten Betonklotz. Ich hob den Kopf. Zwölf hässliche,
eintönige Stockwerke türmten sich drohend über
mir auf.
Die Architektur der Betonklötze schien mir seltsam
vertraut. Lag dies daran, dass derartige Gebäude auf
der ganzen Welt fast alle gleich aussahen?
Um mir die Füße zu vertreten, ging ich nach links um
das Bauwerk herum. An der Ecke angelangt hatte ich
freien Blick auf die zwei anderen Betonklötze. Sie glichen
einander wie ein Ei dem anderen und waren, um
ein Drittel der Gebäudelänge zueinander versetzt, in
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etwa fünfzehn Meter Abstand voneinander gebaut.
Auch die Anordnung der Gebäude und ihre Proportionen
zueinander waren mir seltsam geläufig. Dabei hatte
ich in meinem vorherigen Leben, als Chefarzt der
Psychosomatik, stets in den schmucken, wohlproportionierten
Villen der Privilegierten residiert.
Ich schüttelte den Kopf, versuchte, dieses irrationale
Gefühl von Vertrautheit in dieser orientalischen Wüste
abzuschütteln. Es gelang mir nicht. Brach meine Seele
unter den aufsummierten Lasten der letzten Jahre zusammen?
Mutierte ich zu einem jener Esoteriker, auf
die ich bisher herabgesehen hatte und begann, selbst
an Reinkarnation zu glauben?
Das durfte nicht passieren! Wahrscheinlich benötigte
ich dringend Schlaf! Nervös, nahezu panisch, eilte ich
auf den Eingang des ersten Gebäudes zu. Es gab keinen
Aufzug. Mir blieb nichts anderes übrig, als zu Fuß
zwei Stockwerke emporzusteigen. Außer Atem langte
ich dort an. Auf mein Klopfen öffnete Sascha die Tür.
„Was ist passiert?“, fragte er besorgt.
„Nichts.“
„Nichts? Du siehst aus, als sei der Leibhaftige hinter
dir her!“
„Es ist nichts!“
„Ganz sicher? Du wirkst, als sei du gerade vor jemandem
oder etwas geflüchtet.“
„Im Gegenteil!“ Krampfhaft versuchte ich zu lächeln.
„Hier ist unsere Flucht endlich zu Ende.“
Ich schob mich an ihm vorbei, inspizierte unser neues
Heim. Links befand sich eine kleine Nasszelle mit
Waschbecken, Dusche und Trockentoilette. Rechts gegenüber
befand sich eine Kochecke mit zweiflammigem
Gaskocher. Geradeaus ging es in den einzigen
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Raum des Appartements. Auf dem nackten Zementboden
lagen zwei Matratzen, samt Laken und Kissen. Ein
Schrank und ein kleiner Holztisch, sowie zwei Stühle
bildeten den Rest der Einrichtung. Verglichen mit meinem
vorherigen Leben war dies ärmlich. Verglichen
mit dem letzten Lager, wo in Einfachbaracken von Garagengröße
neun Männer mit Dreifach-Stockbetten
auf engstem Raum gehaust hatten, war dies hier Luxus.
Es ging wieder aufwärts!
„Morgen früh um sieben muss ich mit dem Bus zur Arbeit“,
verkündete Sascha.
Ich war seiner überdrüssig, ertrug seine Gesellschaft
kaum noch. Es kostete mich Kraft, äußerlich ruhig zu
bleiben.
„Das ist doch schön“, erwiderte ich. „Mit der Arbeit
kehrt ein weiteres Stück Normalität in dein Leben zurück.“
„Was, wenn die merken, dass ich vom Programmieren
keine Ahnung habe?“
„Dann machst du halt einen anderen Job. Wo liegt da
das Problem?“
Mich demonstrativ gleichmütig gebend, zuckte ich mit
den Achseln. Sein Chef würde schon nicht so abartig
drauf sein, wie dieser Kommissar Keller sich mir gegenüber
verhalten hatte und Sascha gleich eine Pistole
an den Kopf halten. Zumindest konnte ich mir das von
einem Ingenieur nicht vorstellen. Wahrscheinlich hätte
der Keller mich auch nicht wirklich erschossen.
„Glaubst du wirklich?“, fragte Sascha. „Die suchten im
Lager doch ganz gezielt nach Elektrotechnikern.
Ohne…“
„Nach Ingenieuren und Informatikern auch!“, warf ich
ein.
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„…das Zeugnis vom KIT“, fuhr er, ohne auf meine Worte
einzugehen, fort, „würde ich noch immer in der
schrecklichen Baracke vor mich hin vegetieren.“
„Dann gib dir halt Mühe! Hast du das Buch durchgearbeitet?“
„Klar habe ich das. Nur kann ein Buch kein Studium ersetzen.“
„Egal, du schaffst es, dich durchzulavieren. Genau darin
liegt doch deine Stärke!“, entgegnete ich gehässig.
Er sah mich säuerlich an.
„Du könntest ruhig etwas dankbarer sein. Ohne mich
hättest du es nie bis hierher geschafft“, maulte er.
„Ach ja? Bist du da so sicher? Vielleicht wäre ich ohne
dich ja jetzt mit meiner Frau hier?“
Er setzte einen beleidigten Gesichtsausdruck auf.
„Wie oft soll ich dir noch sagen, dass ich mit Carolins
Tod nichts zu tun habe!“, antwortete er weinerlich.
Anfangs hatte ich Angst vor ihm gehabt. In den ersten
Tagen unserer Flucht hatte Sascha sich mir gegenüber
aggressiv und brutal verhalten. Wann war es eigentlich
gekippt? Wo war er mir gegenüber zur unterwürfigen
Heulsuse geworden? Ich wusste es nicht mehr.
Auf jeden Fall hasste ich seine Unterwürfigkeit. Ähnlich
einem unterlegenen Wolf, der dem Sieger seine
Kehle darbot, machte er es mir mit seiner Tour unmöglich,
weiter auf ihm herumzuhacken. Verdrießlich
entgegnete ich:
„Im schlimmsten Fall machst du halt auf traumatisiert.“
„Darauf nimmt von den Mullahs bestimmt keiner
Rücksicht.“
„Einen Versuch ist es wert.“
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Zweifelnd sah er mich an. Bei Sascha konnte das hier
leicht in eine endlose Diskussion ausarten. Darauf hatte
ich überhaupt keinen Bock. Also verkündete ich:
„Im Gegensatz zu dir habe ich während unserer Fahrt
heute Nacht kein Auge zugetan. Ich muss jetzt schlafen.“
„Aber…“
„Wir können ja später drüber reden!“
„Aber...“
Mit zugehaltenen Ohren flüchtete ich ins Bad. Als sich
die Tür hinter mir schloss, ich mich erstmals seit langem
wieder ganz alleine in einem abgeschlossenen
Raum befand, hätte ich vor Glück schier geweint. Probehalber
drehte ich die Armatur der Dusche auf. Wenig
später sprudelte lauwarmes Wasser aus ihr. Mein
Herz schlug vor Freude schneller. Schließlich war es
drei Jahre her, seit ich letztmalig alleine, in einem abgeschlossenen
Badezimmer ganz für mich, unter der
Dusche gestanden hatte. Dementsprechend ausgiebig
genoss ich die lauwarmen Wasserstrahlen. Ein selten
gewordenes Glücksgefühl breitete sich in mir aus. Vergnügt
pfiff ich vor mich hin.
Früher hätte ich das Frotteetuch als kratzig empfunden.
Jetzt erschien es mir luxuriös. Ausgiebig rubbelte
ich meinen ganzen Körper damit trocken. Dann kramte
ich aus meiner Tasche ein löchriges, aber frisch gewaschenes
T-Shirt und einen frischen Slip hervor, ehe ich
mich auf der rechten Matratze niederließ. Auf der linken
hatte sich Sascha mit seinem Buch eingerichtet.
Um jede Diskussion zu umgehen, schloss ich rasch
meine Augen. Dabei konnte ich selbst nach einer
durchwachten Nacht tagsüber kaum jemals schlafen.
Aber das machte nichts. Ich würde ein bisschen von
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Pauline träumen. Durch all das Elend und Grauen der
letzten Jahre hatte mich die Hoffnung getragen, meine
geliebte Tochter eines Tages lebend wiederzusehen.
War ich dieser Hoffnung heute durch die Begegnung
mit Kommissar Keller näher gekommen? Tränen traten
in meine Augen. Meine letzte kurze Begegnung mit
Pauline lag drei Jahre zurück. Es war just der Tag gewesen,
an dem die Krise gerade in den Bürgerkrieg
kippte:
„Das Land ist total am Arsch. Wir müssen fliehen!“,
verkündete Pauline unvermittelt.
Missmutig hob ich den Kopf. Gemeinsam speisten wir
in unserem Esszimmer mit grandiosem Blick über die
Stadt zu Abend. Schon bei Ihrer Ankunft hatte ich meiner
geliebten Tochter angesehen, dass sie etwas bedrückte.
Jetzt war es also raus. Gut, dass Carolin mich
vorbereitet hatte. So konnte ich einigermaßen ruhig
erwidern:
„Na mein Schatz, ganz so schlimm…“
„Doch Papa!“, unterbrach sie mich. „Es ist sogar noch
viel schlimmer. Tauche endlich aus deiner Traumwelt
auf und stell dich der Realität! Hast du nicht gehört,
was gestern in Weilimdorf passiert ist?“
Gekränkt schwieg ich. Mit Pauline konnte man wirklich
nicht mehr reden.
„Natürlich haben dein Vater und ich davon gehört!“,
mischte Carolin sich ein. Ehe sie fortfuhr, warf sie mir
einen besorgten Blick zu. „Rechtsradikale haben dort
vorige Nacht Flüchtlinge bedroht und…“
„Von wegen bedroht!“, empörte Pauline sich. „Die haben
Dutzende, wenn nicht gar Hunderte erschossen!“
„Aber Paulinchen, in den Nachrichten haben sie
doch…“

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„Genau das ist ja das Schlimme! Die Medien berichten
nicht mehr die Wahrheit über…“
„Die Medien haben noch nie die Wahrheit berichtet,
sondern uns schon immer manipuliert!“, unterbrach
ich sie mit einem meiner Lieblings-Statements. In meinen
Augen gab es nicht die Wahrheit, sondern dem
Konstruktivismus entsprechend viele Wahrheiten.
Pauline verdrehte genervt die Augen. Ich schluckte
den Rest meiner, zugegebenermaßen etwas abgenutzten,
Weisheiten hinunter. Meine unglaublich groß gewordene
Tochter sah mich ernst an.
„Papa, ich arbeitete letzte Nacht im Klinikum. In den
frühen Morgenstunden trafen mehrere Flüchtlinge mit
schweren Schussverletzungen bei uns ein. Die kamen
nicht etwa in Rettungswägen, sondern in privaten
PKWs. Wir waren total schockiert. Alle Flüchtlinge berichteten
übereinstimmend, dass sie in einer zur Notunterkunft
umfunktionierten Sporthalle geschlafen
hätten, als schwarz vermummte Männer die Halle wild
um sich schießend stürmten.
Noch während wir die Schusswunden versorgten, hörten
wir in den offiziellen Nachrichten, dass Flüchtlinge
dort nur bedroht worden seien. Wir fragten uns, wieso
die Reporter nicht wissen, was dort wirklich passierte.
Kurz darauf trommelte Dr. Wagner uns alle zusammen
und verhängte eine Nachrichtensperre. Er meinte, wir
dürften auf keinem Fall mit irgendjemandem hierüber
reden, sonst breche unnötig Panik aus. Die Regierung
habe die Bundeswehr alarmiert. Man werde die Sache
bald wieder in den Griff bekommen.“
Sie brach ab. Ein flaues Gefühl machte sich in meinem
Magen breit. Seit Jahren verkündete die Politik, sie
habe die Lage im Griff oder werde sie bald in den Griff
37
bekommen. Dabei musste selbst ich mir in schwachen
Augenblicken eingestehen, dass die Politik schon lange
nichts mehr im Griff hatte.
Europa war von einer Gemeinschaft zur Union verkommen
und dann, nach jahrelanger Agonie, mit einem
lauten Knall auseinandergeflogen. Der abrupte
Wegfall wichtiger Märkte hatte die deutsche Industrie
in ihren Grundfesten erschüttert. Millionen Menschen
verloren über Nacht ihren Arbeitsplatz. Noch während
die Politik versuchte, dies irgendwie aufzufangen und
den Menschen wieder Mut zu machen, erfolgte der
nächste Schlag. Ein durch die Decke gehender Ölpreis
machte die mit Verbrennungsmotoren betriebenen
Autos deutscher Premiumhersteller zu Ladenhütern,
während die Nachfrage nach chinesischen und amerikanischen
Elektroautos explodierte.
Trotzdem hielt ich, wie viele andere, noch immer unseren
Reichtum und unsere staatliche Stabilität für ein
Naturgesetz. Die giftigen, hasserfüllten Auseinandersetzungen
zwischen Hedonisten und neu erstarkten
Christengemeinschaften, die Pöbeleien selbsternannter
Patrioten gegen Zuwanderer und der herablassende
Moralismus der Ökos gegen alle hatten bewirkt,
dass ich so gut wie keine Nachrichten mehr sehen, hören
oder lesen wollte. Die Politiker würden es schon
schaffen, die Chose wieder zu richten. Schließlich lebten
wir in Deutschland.
„Du mit deinem Gerechtigkeitsfimmel und deinen unnötigen
Sorgen!“, machte ich meinem Ärger Luft.
„Jetzt, da du als Ärztin selbst in der Verantwortung
bist, könntest du langsam erwachsener an manche
Dinge herangehen!“
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„Ach ja?“, entgegnete sie kühl. „Du meinst, ich soll dir
nicht länger vorwerfen, dass du nur für dich selbst
sorgst? Dass es dich gar nicht interessiert, ob unsere
Gesellschaft auch übermorgen noch funktioniert?“
„Durch die Aufnahme zahlreicher traumatisierter
Flüchtlinge in meine Klinik leistete ich meinen Beitrag
zur Milderung des Elends!“
„Dadurch hast du in erster Linie den Gewinn der Klinik
gesteigert und dir ganz nebenbei und kostenlos das
schöne Gefühl verschafft, ein guter Mensch zu sein!“
„Jetzt hört doch bitte auf zu streiten!“, mischte Carolin
sich erneut ein.
Durch Paulines Worte zutiefst gekränkt, war ich kurz
davor, wütend aus dem Raum zu stürmen. Meiner
Frau zuliebe blieb ich.
Was zum Teufel war in Pauline gefahren? Wie hatte
sich mein kleines Mädchen zu so einer Furie entwickeln
können?
„Du hast Recht Mama“, lenkte sie ein. „Es ist jetzt
wirklich nicht die richtige Zeit zum Streiten. Habt Ihr
eure Sachen schon in Papas Geländewagen gepackt?“
„Gepackt? Welche Sachen?“, fragte Carolin irritiert.
„Ich habe dir doch vorhin eine Nachricht geschickt, ihr
sollt möglichst viele warme Klamotten, Lebensmittel
und die Campingausrüstung in Papas Geländewagen
packen. Sonst protestiert du umgehend, wenn du mit
mir nicht einverstanden bist. Also dachte ich, ihr wärt
zum gleichen Schluss gekommen wie ich, nämlich dass
es höchste Zeit ist hier abzuhauen.“
Das wurde ja immer besser! War dieses hysterische
Weib wirklich meine Tochter? Meine Frau griff nach ihrem
Smartphone. Stirnrunzelnd starrte sie darauf.
Schließlich verkündete sie:
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„Kein Netz, wahrscheinlich kam deshalb deine Nachricht
nicht an.“
Simultan zogen Pauline und ich ebenfalls unsere
Smartphones hervor. Wir hatten ebenfalls kein Netz.
Ein flaues Gefühl machte sich in meinem Magen breit.
Pauline sprang auf, lief zu unserem Festnetz-Anschluss.
„Der ist auch tot!“, verkündete sie. „Glaubt ihr mir
jetzt endlich, dass der Staat am Arsch ist?“
„Immer langsam mit den jungen Pferden!“, wandte ich
ein. „Wahrscheinlich schaltete die Regierung das Telefonnetz
ab, um den Nationalisten die Kommunikation
zu erschweren. Wir sind hier in Deutschland. Die Behörden
haben die Angelegenheit sicherlich bald wieder
im Griff.“
„Ach ja? Wer soll die Sache in den Griff bekommen?
Etwa das von dir so verachtete Militär und der von dir
gehasste Verfassungsschutz?“, fragte sie zynisch.
„Ich habe schon immer gesagt“, setzte ich zu meiner
Verteidigung an, „dass man sich als gebildeter Bürger
von der Polizei…“
„…und den sonstigen Sicherheitsdiensten möglichst
fernhält, da diese zuallererst potenzielle Gefährder der
Freiheit, nicht aber Garanten der Sicherheit sind“, beendete
Pauline meinen ihr vertrauten Satz.
Offenbar hatte sie es mir bis heute nicht verziehen,
dass ich mich abfällig über ihren Ex-Freund Leon geäußert
hatte.
„Hast du eigentlich noch Kontakt zu Leon?“, fragte Carolin
in diesem Augenblick.
Pauline nickte.
„Er hat mir heute in aller Frühe eine Nachricht gesendet.
Ich soll alles Notwendige packen und mit dem
40
Auto über die Grenze nach Österreich flüchten. Alle
anderen Länder sind soeben dabei, mit Militär ihre
Grenzen zu uns abzuriegeln oder haben dies bereits
getan. Darum habe ich euch ja auch die Nachricht geschickt,
dass ihr packen sollt. Kommt ihr jetzt mit oder
nicht?“
Mehr aus beleidigtem Trotz als aus Überzeugung
schüttelte ich stumm den Kopf. Meine Frau hatte
schon bei Paulines ersten Worten vor Entsetzen die
Hände vors Gesicht geschlagen. Jetzt schluchzte sie
still vor sich hin.
„Und du Mama?“, fragte Pauline mit belegter Stimme.
„Kommst du wenigstens mit?“
Carolin schüttelte ebenfalls den Kopf.
„Ich kann Papa nicht allein lassen.“
Ihre Worte rührten mich zutiefst. Zugleich rührte sich
mein schlechtes Gewissen.
„Schade!“, bedauerte Pauline schmallippig. Sie erhob
sich und sah auf uns herab. „Für mich ist es jetzt jedenfalls
höchste Zeit aufzubrechen!“, verkündete sie
mit einer Entschlossenheit und Härte, die ich an meiner
Tochter nie zuvor wahrgenommen hatte.
„Dann Auf Wiedersehen!“, verabschiedete ich sie trotzig.
„Bis in vierzehn Tagen wirst auch du deinen Fehler
einsehen und wieder hier sein.“
„Ach, Papa!“, erwiderte sie traurig. „Du weißt gar
nicht wie sehr ich mir wünsche, dass du damit Recht
hast.“
Mit tränennassen Wangen umarmte sie mich, wobei
ich trotzig sitzenblieb.
Bis zum heutigen Tage bedauere ich es zutiefst, nicht
einmal diese Umarmung erwidert zu haben. Stattdessen
schenkte ich mein Glas voll edlen Bordeaux, wäh-
41
rend meine Frau sich auf der Straße vor dem Haus von
unserer Tochter verabschiedete. Die beiden brauchten
ewig. Ich stürzte den Wein hinunter. So war ich ziemlich
betrunken, als Carolin wieder hoch kam.
„Du hättest ruhig mitfahren können!“, empfing ich sie
nicht eben freundlich.
„Ach, Jens!“, entgegnete sie, tapfer ihre Tränen trocknend.
„Du weißt doch, dass ich bis zum Ende meiner
Tage an deiner Seite ausharren werde.“
Leider war ihr Ende sehr viel schneller gekommen, als
ich damals gedacht hatte. Die Mitschuld am Tod meiner
geliebten Frau Carolin lastet bis heute schwer auf
mir.
Die Telefone und mit Ihnen auch das Internet waren
bis zum Tag meiner eigenen Flucht aus Stuttgart für
uns Bürger nicht wieder eingeschaltet worden. Daher
habe ich von meiner Tochter Pauline auch erst in der
Nacht meiner eigenen Flucht aus Stuttgart vor einem
Jahr wieder eine Nachricht erhalten. Bis heute weiß
ich nicht, ob diese Nachricht wirklich von ihr stammt
und sie somit zumindest vor einem Jahr noch gelebt
hat.
Natürlich konnte ich auch an diesem Tag nicht schlafen.
Nach einer Stunde erhob ich mich wieder von
meinem Lager. Sascha schnarchte laut, das aufgeschlagene
Fachbuch auf seinem Gesicht. Ein weiteres Mal
verspürte ich den Impuls, ihm statt des Buches ein Kissen
so lange ins Gesicht zu pressen, bis er sein Leben
ausgehaucht und hierdurch für seine Sünden bezahlt
hatte. Der Impuls ging vorüber.
42
Möglichst leise verließ ich das Appartement in
Richtung Arztstation, um nach meiner Patientin zu
sehen.
Schon durch die Glastür sah ich Keller erneut auf einer
Bank des Wartebereichs liegen. Er schnarchte laut.
Seine Dämonen ließen ihn in Ruhe. Um ihn nicht zu
wecken, öffnete ich die Tür mit dem Roten Halbmond
möglichst leise.
Hannah lag im Krankenbett des Nebenraums mit geschlossenen
Augen auf dem Rücken. Die als Krankenpflegerin
eingeteilte Frau war nirgends zu sehen.
Ich setzte mich zu Hannah ans Bett und griff, um ihren
Puls zu fühlen, nach ihrer Hand. Sie zuckte zusammen.
Ihre blauen Augen öffneten sich, starrten mich verstört
an.
„Ich will nur Ihren Puls fühlen“, beruhigte ich sie.
„Dr. Baitinger?“
„Ja.“
Sie lächelte dankbar.
„Wie geht es Ihrem Bauch?“
„Langsam kehren die Schmerzen zurück.“
„Die Wirkung der Spinalanästhesie lässt nach“, erklärte
ich ihr. Ohne zweiten Arzt zur Überwachung ihrer
Atmung, hatte ich keine Vollnarkose gewagt. „Ich kann
ihnen gerne was gegen den Schmerz verabreichen.“
„Okay.“
„Darf ich mir die Wunde ansehen?“
Sie nickte, schob das Laken zurück, hob ihr Nachthemd
an. Ich entfernte das große Mull-Pflaster. Die
Wunde sah gut aus, war nur lokal geschwollen und
kaum gerötet. Auch die Naht hielt, die Wunde nässte
kaum. Es sah aus, als hätten wir Glück. Ich desinfizierte
den Schnitt, klebte einen neuen Mullverband auf.
43
„Es sieht gut aus“, erklärte ich ihr. „Die Bedingungen
hier im Raum sind leider alles andere als steril. Ich
meine, natürlich desinfizierte ich meine Instrumente
gründlich. Aber über die Luft können trotzdem Keime
hineingelangt sein. Hoffen wir, dass dem nicht so ist!“
„Mein Körper wird mit den Eindringlingen fertig. Man
härtet hier ziemlich ab.“
„Das klingt tapfer. Wo kommen Sie her?“
„Aus Nufringen. Und Sie?“
„Aus Stuttgart. Dann waren wir im vorigen Leben ja
fast Nachbarn. Seltsamer Zufall.“
„Das ist kein Zufall. Wir sind hier schließlich im Schwaben-
Ghetto.“
„Wie bitte?“, fragte ich irritiert.
„Wirklich! Die Saudis sind da ganz eigen. Hier zu uns
kommen nur Menschen, die vor der Flucht in Baden-
Württemberg lebten.“
„Wie lange sind Sie denn schon hier?“
„Drei Jahre.“
„Drei Jahre! Ist Ihnen eine junge Ärztin namens Pauline
Baitinger begegnet? Eine hübsche, junge Frau, mit
langen roten Haaren und grünen Augen?“
„Nein, tut mir leid.“
Geknickt senkte ich den Kopf.
„Ihre Tochter?“
Ich nickte, hob den Kopf wieder und sah sie an.
„Sind Sie wie meine Tochter auch ganz am Anfang geflohen?“
„Mein Mann und ich waren schon zwei Monate vor
Ausbruch des Bürgerkrieges hier.“
„Wussten Sie etwa, was passieren würde?“
Sie schüttelte den Kopf. Erleichtert atmete ich aus.
44
„Edgar ist Architekt. Vor der Wirtschaftskrise baute er
einfachste Flüchtlingsunterkünfte. Viele hemmenden
Bestimmungen des Baurechts und des Naturschutzes
waren seinerzeit außer Kraft gesetzt, um schnell Unterkünfte
in ausreichender Anzahl erstellen zu können.
Hamburg machte den Anfang und zog die sogenannten
Weimann-Häuser in kürzester Zeit auf der grünen
Wiese hoch. Thomas Weimann entwarf als Architekt
der städtischen Wohnbaugesellschaft Saga schon vor
der Krise hässliche Wohnblöcke für Sozialsiedlungen
am Hamburger Stadtrand. Als nach der ersten großen
Flüchtlingswelle im Herbst 2015 die Großstädte innerhalb
kurzer Zeit zehntausende Menschen unterbringen
mussten, plädierte er dafür, auf vorhandene, bewährte
Pläne zurückzugreifen. Hier stehen jetzt drei
Riegel nebeneinander, aber grundsätzlich…“
„Deshalb kommen mir die Gebäude so bekannt vor!
Im Norden Stuttgarts stehen auch drei Weimann-Häuser.
Hat die etwa Ihr Mann…“
„Ja, jedenfalls kopierten einige deutsche Großstädte
das Hamburger Vorgehen. Angeblich überließ Herr
Weimann aus Eitelkeit den anderen Städten seine Pläne
umsonst. Immerhin wurde sein Name dadurch
weltweit bekannt. Wie Sie wissen, schlitterte die deutsche
Wirtschaft durch den Zerfall der EU in eine tiefe
Rezension. Ich verlor meinen Job und auch Edgar erhielt
keine Aufträge mehr. Kein Wunder, schließlich
gingen Zinsen und Inflation durch die Decke. Die deutsche
Autoindustrie lag am Boden.
Da erhielt Edgar per E-Mail ein Stellenangebot hier
aus Dammam in Saudi-Arabien. Wir brauchten nicht
lange zu überlegen, schließlich war zu dieser Zeit die
Situation zu Hause mehr als ungemütlich. So packten
45
wir unsere Koffer und flogen hierher. Nach seinem ersten
Arbeitstag kam Edgar sichtlich schockiert zu mir
ins Hotel. Er sollte vor den Toren der Stadt innerhalb
von nur sechs Monaten eine Siedlung aus drei Weimann-
Häuser einfachster Ausführung hochziehen. Vor
dem Abflug hatte er von Luxus-Villen für reiche Saudis
geträumt und dann das! Aber egal, immerhin hatte er
Arbeit und wir Sicherheit sowie genug zu essen. So
baute er eben eine Trabanten-Stadt für billige Hilfskräfte
der Globalisierung. Dann erfuhr Edgar, dass die
Saudis nicht nur ihn, sondern alle deutschen Architekten,
die irgendwie schon bei einer Weimann-Siedlung
mitgewirkt hatten, anwarben. Praktisch vor den Toren
jeder größeren Stadt, außer Riad und den heiligen
Städten, zogen die im Rekordtempo Weimann-Siedlungen
in die Höhe. Mir wurde unheimlich. Hatten wir
nicht die arabischen Flüchtlinge bei uns in genau diese
Siedlungen vor den Toren unserer Städte gepfercht?
Wollten die Saudis es uns mit gleicher Münze heimzahlen?“
Sie lachte bitter auf, ehe sie fortfuhr:
„Als ich meine Gedanken mit Edgar teilte, bezeichnete
er mich als paranoid. Ich wünschte, ich wäre es gewesen!
Dann wurde unser Hotel von Daimler-Mitarbeitern
überschwemmt, die den Bau einer Autofabrik des
Konzerns in Dammam vorbereiteten. Mir wurde klar,
dass wir eines Tages alle in den Kaninchen-Ställen landen
würden, die mein Mann voller Eifer vor den Toren
der Stadt hochzog.“
„Was hat der Daimler mit dem Ganzen hier zu tun?“
„Wissen Sie das nicht?“
„Was?“


 

Anstehende Termine

Frühstücks-Buffet im Salädle

Starten Sie bei uns genußvoll in Ihren freien Tag! Frisch gebackene Brötchen und Brot, Butter, selbstgemachte Marmeladen, Honig, Nutella, mediterraner Käseaufstrich, Lachs-Frischkäseaufstrich, Wurst- und Käseaufschnitt, Quinoa-Müsli, Nuss-Knuspermüsli, Haferflocken, Joghurt, Quark, frisches Obst un…
am So, 8. Dezember 2019
09:00 h - 13:00 h

Hohenzollernführung

Führung durch die Schau- und Prunkräume der Stammburg der Hohenzollern, aus denen die preußischen Könige und deutschen Kaiser hervorgingen. Hier wird Geschichte lebendig! Anschaulich und höchst vergnüglich erzählen Anekdoten und Geschichten aus dem Leben der Majestäten und Hoheiten. Höhepunkt ist di…
am So, 8. Dezember 2019
10:00 h - 16:30 h

50 Jahre Botanischer Garten auf der Morgenstelle

Wir mähen Tübingen bunt! Für mehr Artenvielfalt auf städtischen Grünflächen im Foyer der Gewächshäuser vom 11. März 2018 bis 10. Februar 2019 Die Vielfalt des Lebendigen in unserer direkten Umwelt nimmt erschreckend schnell ab. Dass es manchmal ganz leicht ist, dem auf kleinen Flächen entgegen z…
am So, 8. Dezember 2019
10:00 h - 16:30 h

Stuttgarter Saloniker: Kindermitmachkonzert "Childrens …

Die Musik unserer Großväter und Urgroßmütter auch der jungen Generation nahezubringen, veranlaßt die Stuttgarter Saloniker, eine neue Konzertreihe speziell für Großeltern und ihre Enkel zu entwickeln. Am Sonntagvormittag laden Patrick Siben und seine Musiker in den Marmorsaal zum Kinderkonzert "Chil…
am So, 8. Dezember 2019
10:00 h

Wohnwirklichkeiten, Schloss und Jagd

1. Obergeschoss im Schloss Waldenbuch Kennen Sie noch Salzstangen- und Brezelhalter, Flokati und Roy Black? Haben Sie sich schon gefragt, wie es sich mit Schallplatten, String-Regal und ABBA lebte? Antworten auf diese und weitere spannende Fragen hält der neu konzipierte Ausstellungsbereich „Wohnw…
am So, 8. Dezember 2019
10:00 h - 18:00 h

Mein Stück Alltag

Erdgeschoss im Schloss Waldenbuch Alltag ist nicht grau, sondern bunt! Jeder Alltag ist anders. Er ist geprägt von Ritualen und Gegenständen, die wir nicht als Besonderheit wahrnehmen. Trotzdem verraten diese Objekte viel über uns, unseren Alltag und unser Leben. In dieser Ausstellung begeben wir …
am So, 8. Dezember 2019
10:00 h - 18:00 h

Wohnwirklichkeiten, Schloss und Jagd

1. Obergeschoss im Schloss Waldenbuch Kennen Sie noch Salzstangen- und Brezelhalter, Flokati und Roy Black? Haben Sie sich schon gefragt, wie es sich mit Schallplatten, String-Regal und ABBA lebte? Antworten auf diese und weitere spannende Fragen hält der neu konzipierte Ausstellungsbereich „Wohnw…
am So, 8. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Wohnwelten mit Wohnstudio

NEU: #wohnstudio im 1. Obergeschoss Das Museum der Alltagskultur hat die Ausstellung „Wohnwelten“ um einen interaktiven Themenraum erweitert. Der Raum lädt ein, sich auf spielerische Weise ein Wohnzimmer einzurichten. In einer Art Fotostudio kann zwischen einer zeittypischen Kulisse des 19. Jahrhu…
am So, 8. Dezember 2019
10:00 h - 18:00 h

Ötlinger Adventsmarkt

Adventsmarkt in gemütlicher Atmosphäre, Stände mit kreativen Artikeln, Kunsthandwerk, breites kulinarisches Angebot, buntes Programm für alle Generationen. Veranstaltungsort: Rund ums evangelische Gemeindehaus (Hermann-Hesse-Str. 5) Veranstalter: Evang. Kirchengemeinde Lindorf und Ötlingen in Zusamm…
am So, 8. Dezember 2019
10:00 h - 18:00 h

Vertigo. Op Art und eine Geschichte des Schwindels 1520 – 19…

Die Ausstellung präsentiert Op Art als eine Kunstrichtung, die mit visuellen Strategien – von geometrischen Mustern bis zum Licht in all seinen Erscheinungsformen –, über die manipulierte Wahrnehmung und optische Täuschungen einen aktiven Dialog zwischen Werk und Betrachter_in in Gang setzt. Die Kün…
am So, 8. Dezember 2019
10:00 h - 18:00 h

Faszination LEGO

Die Ulmer und Ludwigsburger Klötzlebauer waren wieder fleißig und präsentieren ihre LEGO-Modelle bereits zum dritten Mal in Schloss Bruchsal. Vom 26. Oktober 2019 bis 1. März 2020 sind ihre neuen Kreationen im Rahmen der Ausstellung „Faszination LEGO“ zu sehen. Di – So und Feiertage 10.00 ­­­– 17.…
am So, 8. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Legendäre Meisterwerke: Kulturgeschichte(n) aus Württemberg

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag: 10 - 17 Uhr Montags geschlossen, außer an Feiertagen Von der Steinzeit bis ins Königreich Württemberg Altes Schloss, 2. OG Die Schausammlung „LegendäreMeisterWerke“ lädt dazu ein, die Kulturgeschichte Württembergs im Zeitraffer zu entdecken! Sie bietet auf eine…
am So, 8. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Wahre Schätze: Antike | Kelten | Kunstkammer

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag: 10 - 17 Uhr Montags geschlossen, außer an Feiertagen Altes Schloss, 1. OG Im 1. Obergeschloss des Alten Schlosses sind "Wahre Schätze" zu bestaunen! Das Landesmuseum Württemberg zeigt hier mit seinen hochkarätigen Sammlungen von Weltrang europäische Kulturgesch…
am So, 8. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Musikinstrumente und Klanglabor

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag: 10 - 17 Uhr Montags geschlossen, außer an Feiertagen Haus der Musik am Schillerplatz Das Haus der Musik ist ein beliebter und lebendiger Treffpunkt für Musikfreunde mitten in Stuttgart. Hier zeigt das Landesmuseum Württemberg herausragende Stücke aus seiner bed…
am So, 8. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Uhren und wissenschaftliche Instrumente

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag: 10 - 17 Uhr Montags geschlossen, außer an Feiertagen GENAU! Uhren und andere geistreiche Erfindungen Altes Schloss, Uhrengewölbe Unter den nordwestlichen Arkadenflügeln des Alten Schlosses befinden sich die wohl stimmungsvollsten Ausstellungsräume im Alten Schl…
am So, 8. Dezember 2019
10:00 h - 17:00 h

Wichtige Kirchheimer Seiten, Kooperationen und Partner